Datenklassifizierung im Unternehmen – So schützen Sie sensible Informationen
Datenklassifizierung für Unternehmen: Schutzbedarfsstufen nach BSI, DSGVO-Pflichten und 5 Schritte zur Umsetzung. Praxisleitfaden für KMU.
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Freitagnachmittag, die E-Mail vom Einkauf des OEM: „Bitte reichen Sie Ihr TISAX-Label bis zum nächsten Quartal ein." Wer das als Geschäftsführer eines Zulieferers mit 30 oder 80 Mitarbeitern liest, hat Fragen. Viele Fragen. Dieser Artikel liefert Antworten.
Die TISAX-Zertifizierung ist für KMU in der Automobilbranche kein Kür-Programm mehr. Sie ist Pflicht, wenn Sie Aufträge halten oder gewinnen wollen. Gleichzeitig ist der Prozess beherrschbar – wenn Sie wissen, worauf es ankommt.
TISAX steht für Trusted Information Security Assessment Exchange. Der Standard wurde von der ENX Association im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA) entwickelt. Er regelt, wie Unternehmen in der automobilen Lieferkette mit vertraulichen Informationen umgehen müssen.
Die Grundlage ist der VDA ISA-Katalog (Information Security Assessment) – aktuell in Version 6.0. Er enthält über 140 Prüffragen in neun Kapiteln: von IT-Sicherheit und physischer Sicherheit bis hin zu Compliance und Datenschutz.
Der entscheidende Punkt: OEMs wie BMW, Mercedes-Benz oder Volkswagen verlangen von ihren Zulieferern ein gültiges TISAX-Label. Ohne Label kein Auftrag. Und das betrifft nicht nur Tier-1-Zulieferer, sondern zunehmend auch kleinere Unternehmen in der Lieferkette.
TISAX gilt unabhängig von der Unternehmensgröße. Selbst ein Ingenieurbüro mit 15 Mitarbeitern braucht das Label, sobald es Konstruktionsdaten eines OEM verarbeitet. Prüfen Sie mit dem frag.hugo Sicherheits-Check, wo Ihr Unternehmen beim Thema Informationssicherheit steht.
TISAX baut auf ISO 27001 auf, geht aber weiter. Der VDA ISA-Katalog enthält automobilspezifische Anforderungen – etwa zum Prototypenschutz oder zur Anbindung von Partnern. Wer bereits ein ISO 27001-zertifiziertes ISMS betreibt, hat einen Vorsprung. Doppelt prüfen lassen müssen Sie sich trotzdem: TISAX erkennt ISO 27001 nicht automatisch an.
Welches Label Sie brauchen, hängt davon ab, was Ihr Auftraggeber verlangt. TISAX kennt drei Prüfziele:
| Prüfziel | Worum geht es? | Typische Anforderung |
|---|---|---|
| Informationssicherheit | Schutz vertraulicher Geschäftsinformationen | Standard bei fast allen OEM-Anforderungen |
| Prototypenschutz | Schutz unveröffentlichter Fahrzeugmodelle und Bauteile | Für Unternehmen mit Zugang zu Prototypen oder Erlkönig-Daten |
| Datenschutz | DSGVO-konforme Verarbeitung personenbezogener Daten | Wenn Sie personenbezogene Daten im Auftrag des OEM verarbeiten |
Seit VDA ISA 6.0 gibt es zudem eine Unterscheidung zwischen Vertraulichkeit (Confidentiality) und Verfügbarkeit (Availability) – jeweils in den Stufen „High" und „Very High". Das ergibt bis zu vier verschiedene Label-Typen allein für den Bereich Informationssicherheit.
Der Weg zum TISAX-Label folgt einem klaren Ablauf. Zwischen Registrierung und Audit-Abschluss dürfen maximal 9 Monate liegen – planen Sie also vorher.
Viele unserer Mandanten kommen erst zu uns, wenn die Zeit knapp wird. Audits unter Zeitdruck sind stressig – aber machbar, wenn die Grundlagen stimmen.
„Fünf Tage vor der TÜV-Rezertifizierung ISO 9001 kam die E-Mail: Können Sie uns helfen? Zum Glück lag das Wochenende dazwischen. Der Auditor war am Ende begeistert."
Was wir daraus gelernt haben: Frühzeitig anfangen schlägt Nachtschichten. Wer sechs Monate vor dem Audit startet, spart Geld und Nerven. Wer erst sechs Wochen vorher anfängt, zahlt für externe Berater den Eilzuschlag.
Die Gesamtkosten einer TISAX-Zertifizierung hängen von drei Faktoren ab: Ihrer Unternehmensgröße, dem geforderten Assessment Level und dem Reifegrad Ihrer bestehenden IT-Sicherheit.
| Kostenblock | Richtwert (KMU, 1 Standort) |
|---|---|
| ENX-Registrierung | 405 € (einmalig, 3 Jahre) |
| Audit-Gebühren (AL 2) | ca. 3.500 € |
| Audit-Gebühren (AL 3) | ca. 6.000–7.000 € |
| Aufschlag Prototypenschutz | ca. 1.000–2.000 € |
| ISMS-Aufbau & Beratung | 10.000–35.000 € |
| Gesamtkosten | 15.000–50.000 € |
Die TISAX-Zertifizierung ist Aufwand. Aber sie ist auch eine Investition in Ihre Zukunft als Zulieferer. Wer das Label hat, sichert Aufträge. Wer es nicht hat, verliert sie.
Starten Sie mit der Selbstbewertung nach VDA ISA. Identifizieren Sie die größten Lücken. Und suchen Sie sich einen erfahrenen Berater, der den Prozess kennt – von der Registrierung bis zum bestandenen Audit.
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Kostenlose Erstberatung buchen →Für KMU mit einem Standort liegen die Gesamtkosten zwischen 15.000 und 50.000 Euro. Der größte Posten ist der ISMS-Aufbau. Die reinen Audit-Gebühren betragen je nach Assessment Level 3.500 bis 7.000 Euro.
Rechnen Sie mit 6 bis 12 Monaten. Mit einem bestehenden ISMS geht es schneller (3 bis 6 Monate). Ohne jegliche Vorarbeit können 12 bis 18 Monate nötig sein.
Ja – wenn Ihr Auftraggeber es verlangt. TISAX kennt keine Untergrenze bei der Unternehmensgröße. Sobald Sie vertrauliche Informationen eines OEM oder Tier-1-Zulieferers verarbeiten, kann das Label gefordert werden.
TISAX basiert auf dem VDA ISA-Katalog und enthält automobilspezifische Anforderungen wie Prototypenschutz. ISO 27001 ist ein allgemeiner ISMS-Standard. Ein ISO 27001-Zertifikat ersetzt TISAX nicht, kann aber die Vorbereitung erheblich beschleunigen.
Ein zusätzliches Prüfziel für Unternehmen, die mit unveröffentlichten Fahrzeugmodellen, Bauteilen oder Erlkönig-Daten arbeiten. Der Prototypenschutz umfasst physische Maßnahmen (gesicherte Räume, Fotografierverbote) und digitale Kontrollen (Zugriffsrechte, Verschlüsselung).
Inhaltsverzeichnis
Datenklassifizierung für Unternehmen: Schutzbedarfsstufen nach BSI, DSGVO-Pflichten und 5 Schritte zur Umsetzung. Praxisleitfaden für KMU.
WeiterlesenInformationssicherheitsbeauftragter: Aufgaben, Pflichten und warum KMU einen ISB brauchen. Intern vs. extern, Kosten und BSI-Anforderungen.
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Über den Autor
Datenschutzberater & Geschäftsführer
Nils ist zertifizierter Datenschutzbeauftragter und Geschäftsführer der frag.hugo Informationssicherheit GmbH. Er berät mittelständische Unternehmen zu DSGVO, NIS2 und IT-Sicherheit – praxisnah und verständlich.
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