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Datenschutz-Roundup Juni 2026: 5-Mio-Bußgeld, das Datengesetz mit Zähnen und der KRITIS-Endspurt

Nils Oehmichen
Von Nils Oehmichen Datenschutzberater & Geschäftsführer

Inhalt in Kürze

  • 5 Mio. € Bußgeld der französischen CNIL gegen IQVIA — die Lehre: Pseudonymisierung allein macht eine Verarbeitung nicht rechtmäßig, schon gar nicht bei Gesundheitsdaten.
  • Das Datengesetz bekommt Zähne: Das deutsche Data-Act-Durchführungsgesetz (DADG) ist seit 30. Mai 2026 in Kraft — mit Bußgeldern bis 5 Mio. € (bei Unternehmen über 250 Mio. € Umsatz bis 2 % des Weltumsatzes).
  • KRITIS-Endspurt: Die NIS2-Registrierungsfrist beim BSI (6. März 2026) ist abgelaufen, die BBK-Registrierung nach dem KRITIS-Dachgesetz folgt gesondert — und bis 30.09.2026 hatten sich erst 20.141 von rund 29.850 betroffenen Einrichtungen nach NIS2 registriert.
  • AI Act bleibt Pflicht: Der Digital Omnibus verschiebt Hochrisiko-Fristen, aber die KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) gilt bereits.

Anfang Juni stapeln sich die Themen, die der Mittelstand nicht ignorieren kann: ein Millionen-Bußgeld, ein neues Gesetz mit scharfen Sanktionen und eine Frist, die in wenigen Wochen abläuft. Wir sortieren die vier Entwicklungen, die wirklich zählen — und sagen Ihnen jeweils, was konkret zu tun ist.

1. 5 Mio. € gegen IQVIA: Pseudonymisierung ist kein Freifahrtschein

Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat mit Beschluss SAN-2026-008 vom 26. Mai 2026 ein Bußgeld von 5 Millionen Euro gegen IQVIA Operations France verhängt. Das Unternehmen verarbeitet im großen Stil Gesundheits- und Verschreibungsdaten. Der Vorwurf: Die eingesetzte Pseudonymisierung reichte nicht aus, um die Verarbeitung auf eine tragfähige Rechtsgrundlage zu stellen.

Die Botschaft für jedes KMU, das mit sensiblen Daten arbeitet: Pseudonymisierung ist eine technische Schutzmaßnahme — aber sie ersetzt keine Rechtsgrundlage. Wer besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO verarbeitet (Gesundheit, Religion, Gewerkschaft, Biometrie), braucht zusätzlich eine ausdrückliche Erlaubnis.

Wichtig:

Gesundheitsdaten genießen besonderen Schutz. Wer sie verarbeitet — von der Arztpraxis über den Betriebsarzt bis zur Personalabteilung mit Krankmeldungen — muss eine Rechtsgrundlage nach Art. 9 DSGVO nachweisen und technische Maßnahmen wie Pseudonymisierung treffen. Beides, nicht entweder/oder.

Was KMU jetzt tun sollten: Listen Sie auf, wo in Ihrem Betrieb besondere Datenkategorien anfallen, und prüfen Sie für jede Verarbeitung die Rechtsgrundlage. Bei Unsicherheit hilft eine strukturierte Datenschutzberatung oder ein externer Datenschutzbeauftragter.

2. Das Datengesetz bekommt Zähne: DADG in Kraft

Am 30. Mai 2026 ist das Data-Act-Durchführungsgesetz (DADG) in Kraft getreten (BGBl. Nr. 157). Es setzt die EU-Datenverordnung (Data Act), die bereits seit 12. September 2025 gilt, in Deutschland durch — und gibt ihr erst die nötige Durchsetzungskraft.

Das Wichtigste in Kürze: Zentrale Aufsichtsbehörde für die Privatwirtschaft wird die Bundesnetzagentur, für personenbezogene Daten bleibt die BfDI zuständig. Nach § 15 DADG drohen je nach Verstoß Bußgelder von bis zu 50.000, 100.000 oder 500.000 Euro, im schwersten Fall bis zu fünf Millionen Euro; nur in diesem Fall sind gegenüber Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Gesamtumsatz bis zu zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich. Im Fokus stehen vernetzte Produkte — vom IoT-Gerät über die Maschine mit Sensorik bis zur App: Nutzer bekommen ein Recht auf Zugang zu den Daten, die sie erzeugen, und dürfen sie an Dritte weitergeben.

5 Mio. €
CNIL-Bußgeld IQVIA
30.05.
DADG in Kraft 2026
17.07.
NIS2/KRITIS-Frist 2026
38,5 %
fristgerecht registriert

Was KMU jetzt tun sollten: Wer vernetzte Produkte herstellt oder einsetzt, sollte prüfen, welche Daten dabei entstehen, wem sie zustehen und ob ein Datennutzungsvertrag für nicht-personenbezogene Daten nötig ist. Datenschutz (DSGVO) und Datenwirtschaft (Data Act) greifen hier ineinander.

3. KRITIS-Endspurt: Die Frist 17. Juli — und 61,5 % sind noch nicht so weit

Das NIS2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG, in Kraft seit 6. Dezember 2025) und das KRITIS-Dachgesetz weiten den Kreis der regulierten Unternehmen massiv aus — auf rund 29.850 Einrichtungen (BT-Drs. 21/1501). Die NIS2-Pflichten gelten damit bereits; die BSI-Registrierungsfrist (06.03.2026) ist abgelaufen — wer noch nicht registriert ist, sollte das umgehend nachholen. Die Registrierung beim BBK (physischer Schutz) folgt gesondert über das KRITIS-Dachgesetz.

Das Problem: Laut BSI hatten sich bis zum 30.09.2026 erst 20.141 der geschätzt rund 29.850 betroffenen Einrichtungen nach NIS2 registriert. Wer jetzt nicht startet, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch die persönliche Haftung der Geschäftsführung.

  1. Betroffenheit klären: Fallen Sie unter NIS2 (ab 50 Mitarbeitenden / 10 Mio. € Umsatz in einem der 18 Sektoren) — oder über die Lieferkette eines betroffenen Kunden?
  2. Registrieren: BSI-Registrierung (IT, NIS2-Frist 06.03.2026 bereits abgelaufen — umgehend nachholen) und BBK-Registrierung (physischer Schutz, KRITIS-Dachgesetz) sind getrennte Pflichten.
  3. Nachweise aufbauen: Risikomanagement, Incident-Response und Lieferanten-Nachweise lassen sich nicht in einer Woche erzeugen — mit Hugo Shield strukturiert dokumentieren.

„Viele Unternehmer denken, ich bin doch zu klein für das ganze Thema Datenschutz. Wir haben Mandanten mit drei, vier, fünf Mitarbeitern – die arbeiten für große Kunden mit enormen Ansprüchen an den Datenschutz.“

Nils Oehmichen Nils OehmichenDatenschutzberater bei frag.hugo

4. AI Act: Der Digital Omnibus verschiebt — die Schulungspflicht gilt schon

Auf EU-Ebene hat der Digital Omnibus einzelne Fristen des AI Act angepasst — vor allem für Hochrisiko-KI. Was dabei gern übersehen wird: Verschoben heißt nicht aufgehoben. Zwei Dinge gelten bereits:

  • Die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 AI Act — Unternehmen, die KI einsetzen, müssen Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen; ein bestimmtes Kompetenzniveau müssen sie seit der Neufassung durch den Digital Omnibus (Juli 2026) nicht garantieren.
  • Die verbotenen Praktiken nach Art. 5 (z. B. Emotionserkennung am Arbeitsplatz, Social Scoring).

Für generative KI kommen zudem Transparenz- und Kennzeichnungspflichten (Wasserzeichen) auf Anbieter und Betreiber zu.

Tipp:

Wer ein Tool wie ChatGPT oder Microsoft Copilot einführt, berührt 2026 drei Regelwerke gleichzeitig: Rechtsgrundlage (DSGVO), Lieferkette/IT-Sicherheit (NIS2) und KI-Pflichten (AI Act). Eine KI-Richtlinie für Ihr Unternehmen deckt alle drei in einem Aufwasch ab.

Fazit: Aus den Schlagzeilen werden Hausaufgaben

Bußgeld, neues Gesetz, ablaufende Frist, neue KI-Pflichten — die Meldungen wirken wie Einzelfälle, haben aber denselben Kern: Verantwortung lässt sich nicht auslagern, und Fristen kommen schneller als gedacht. Die gute Nachricht: Die nötigen Schritte sind machbar, wenn man sie nicht aufschiebt.

„Für jeden ist Datenschutz wichtig. Und für uns ist es wichtig, eine pragmatische Lösung zu finden, wie Unternehmen ihren Datenschutz umsetzen – ohne dabei den Geschäftsbetrieb einzustellen.“

Nils Oehmichen Nils OehmichenDatenschutzberater bei frag.hugo
Das Wichtigste: Prüfen Sie die Rechtsgrundlage für Gesundheits- und Sonderdaten (Pseudonymisierung genügt nicht), klären Sie Ihre NIS2-/KRITIS-Betroffenheit vor dem 17. Juli und schulen Sie Ihr Team, wenn Sie KI einsetzen. Drei Nachmittage Arbeit jetzt sind günstiger als ein Vorfall später.

Welche dieser Themen betreffen Ihr Unternehmen?

Wir klären in 15 Minuten, wo Sie stehen — DSGVO, Data Act, NIS2 oder AI Act — und was konkret zu tun ist. Pragmatisch, ohne Bürokratie-Overkill.

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Häufige Fragen (FAQ)

Wie hoch war das CNIL-Bußgeld gegen IQVIA im Mai 2026?

Die französische Datenschutzbehörde CNIL verhängte mit Beschluss SAN-2026-008 vom 26. Mai 2026 ein Bußgeld von 5 Millionen Euro gegen IQVIA Operations France. Kern des Vorwurfs: Die Pseudonymisierung von Gesundheits- und Verschreibungsdaten reichte nicht aus, um die Verarbeitung rechtmäßig zu machen. Der Fall zeigt, dass Pseudonymisierung allein keine Rechtsgrundlage ersetzt — besonders bei Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO.

Was regelt das Data-Act-Durchführungsgesetz (DADG)?

Das DADG ist am 30. Mai 2026 in Kraft getreten und setzt die EU-Datenverordnung (Data Act, anwendbar seit 12. September 2025) in Deutschland durch. Zentrale Durchsetzungsbehörde für die Privatwirtschaft wird die Bundesnetzagentur, für personenbezogene Daten die BfDI. Nach § 15 DADG drohen je nach Verstoß Bußgelder von bis zu 50.000, 100.000 oder 500.000 Euro, im schwersten Fall bis zu fünf Millionen Euro; nur in diesem Fall sind gegenüber Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Gesamtumsatz bis zu zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich. Betroffen sind vor allem Hersteller und Nutzer vernetzter Produkte (IoT).

Bis wann müssen sich Unternehmen 2026 für NIS2 und KRITIS registrieren?

Einen gemeinsamen Stichtag gibt es nicht: Beim BSI mussten sich NIS2-Einrichtungen bis zum 6. März 2026 registrieren; beim BBK müssen sich Betreiber kritischer Anlagen nach dem KRITIS-Dachgesetz spätestens drei Monate, nachdem ihre Anlage als kritische Anlage gilt, registrieren (den Mindesttermin 17. Juli 2026 hat der Gesetzgeber im Juli 2026 gestrichen). Laut BSI hatten sich bis zum 30.09.2026 erst 20.141 Einrichtungen nach NIS2 registriert — bei rund 29.850 betroffenen Einrichtungen (BT-Drs. 21/1501) ein erhebliches Risiko.

Gilt der AI Act trotz des Digital Omnibus schon für KMU?

Ja. Der Digital Omnibus der EU verschiebt einzelne Fristen für Hochrisiko-KI, hebt die Pflichten aber nicht auf. Bereits in Kraft sind die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 AI Act (Mitarbeitende müssen im Umgang mit KI geschult sein) und die verbotenen Praktiken nach Art. 5. Für generative KI kommen Transparenz- und Kennzeichnungspflichten (Wasserzeichen). KMU sollten daher nicht auf verschobene Fristen warten.

Was sollten KMU nach den Entwicklungen Anfang Juni 2026 tun?

Drei Dinge: (1) Verarbeitung besonderer Datenkategorien — vor allem Gesundheitsdaten — auf eine echte Rechtsgrundlage prüfen, Pseudonymisierung allein genügt nicht. (2) NIS2-/KRITIS-Betroffenheit klären und die Registrierungsfrist 17. Juli nicht verpassen. (3) Wer KI einsetzt: KI-Richtlinie aufsetzen und Mitarbeitende nach Art. 4 AI Act schulen.

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Nils Oehmichen

Datenschutzberater & Geschäftsführer

Nils ist TÜV-zertifizierter Datenschutzbeauftragter. Seit über 13 Jahren betreut er Mittelständler bei DSGVO, NIS2 und dem EU AI Act. Geschäftsführer der frag.hugo Informationssicherheit GmbH und der datuno GmbH, leitet außerdem die BVMID-Geschäftsstelle Hamburg Süd/Ost.

TÜV-zertifiziert BVMID Hamburg 13+ Jahre DSB 200+ Mandate
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